100-Meter-Sprint oder Marathon?

Läufer trainieren unterschiedlich.

Je nach Ziel sind unterschiedliche Trainingsmethoden notwendig. Florian Neuschwander trainiert anders als Julian Reus.

Beim Training für den 100-Meter-Sprint wird darauf trainiert, in kürzester Zeit und für eine kurze Zeit maximale Leistung abzurufen. Nach ca. 30m wird die höchste Geschwindigkeit erreicht und diese gilt es, möglichst hoch über die Distanz zu halten.

Bei der Langstrecke, z.B. einem Marathon, kann nach diesem Prinzip („Maximaler Einsatz für eine sehr kurze Zeit.“) nicht trainiert werden. Hier gilt es, ein bestimmtes Tempo für eine relativ lange Zeit konstant zu halten. Und zwar an der Obergrenze, die ich für diese Distanz dieses Tempo konstant laufen kann. Wer zu schnell läuft, wird irgendwann auf der Strecke „einbrechen“, wer sich unterfordert bleibt unter seiner möglichen Leistung. Ergebnis ist aber beides mal ähnlich: man schneidet schlechter ab, als es einem möglich gewesen wäre.

Und bei einem Ultralauf gelten ganz andere Regeln. Mit zunehmender Länge lassen sich hier keine allgemein gültigen Regeln mehr aufstellen.

Was hat das jetzt mit Führung gemeinsam?

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Auch als Führungskraft gilt es, sowohl Sprints als auch Langstrecken zu absolvieren. Und wie beim Sport gibt es Menschen, denen liegt mehr das eine als das andere.

Es gibt sogar Spezialisten, die nur eine bestimmte „Strecke laufen“ und dort Bestleistungen abliefern. Im Sport wäre das z.B. Usain Bolt, der die aktuell weltbesten Zeiten auf den Kurzstrecken bietet. Vergleichbar wäre diese Leistung z.B. mit einem Interimsmanager oder einem externen Berater. In beiden Fällen werden schnelle Lösungen für ein akutes Problem gelöst. Sozusagen die Kurzstrecke im Management.

Die meisten von uns werden sich jedoch in einem langfristigen Arbeitsverhältnis befinden. Dies ist meiner Erfahrung nach eher die Marathondistanz des Managements.

In einem vernünftig geführten Unternehmen werden langfristige Lösungen gesucht, die auch nachhaltig wirken.

Dementsprechend sind auch die Belastungen.

Führungskräfte müssen über lange Zeit hinweg belastbar sein. Es gilt, seine Leistung über einen langen Zeitraum konsequent und gleichmäßig abzurufen.

Nun kann man das Arbeitsverhältnis als kompletten Marathon betrachten. Hier müssen wir also, wie schon geschrieben langfristig belastbar sein.

Oder man unterteilt sein Arbeitsleben in viele verschiedene einzelne „Rennen“. Da gibt es die Aufgaben, die müssen kurzfristig und schnell erledigt werden. Hier gilt es, binnen kürzester Zeit gute Ergebnisse abzuliefern. Diese Aufgaben sind nur kurz belastend, aber auch schnell wieder vorbei.

Und es gibt die Aufgaben und die Projekte, an denen wir langfristig arbeiten. Hier müssen wir Konstanz und Durchsetzungsvermögen auf lange Sicht vorweisen können.

Das Training

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Die wenigsten von uns können beides gleich gut: Sprint oder Marathon.

Meistens haben wir Vorlieben oder auch Talente, die uns eher für das eine oder andere qualifizieren.

Die meisten stellen dies intuitiv fest und arbeiten an den Zielen, die ihnen am meisten Freude bereiten.

Aber manche von uns landen auch im falschen Rennen oder sind sich nicht sicher, für was sie besser geeignet sind.

Im Sport gilt als Faustregel, als junger Mensch rennst du kurz und schnell, im Alter gehst du an die Langdistanzen. Das lässt sich im Prinzip auch auf das Management übertragen.

Wenn du unerfahren bist, solltest du dich lieber an die Aufgaben wagen, die kurzfristig zu erreichen sind, um schnell Ergebnisse zu sehen und aus diesen (und auch den Fehlern), schnell zu lernen.

Mit zunehmender Erfahrung kennst du dein Arbeitsfeld aber auch dich besser, und kannst dich eher an die großen Projekte wagen.

Aber wie so oft im Leben gilt auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Der Trainer

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Es gibt Naturtalente, die liefern beste Leistungen ab, ohne dass ihnen jemand erklären muss, wie das geht. In der Regel benötigen wir aber Menschen, die Erfahrung besitzen und uns von außen beurteilen können.

Diese können uns reflektieren, uns mitteilen, wo wir Energie verschwenden und welche Fehler wir im Rennen begangen haben. Mit diesen Erfahrungen können wir beim nächsten Mal bessere Ergebnisse abliefern und vermeiden Verletzungen.

Im Sport wäre dies der Trainer. Im Berufsleben kann das ein Coach sein, aber auch der erfahrenere ältere Kollege. Grundsätzlich sollten wir bemüht sein, uns ehrliches Feedback von außen zu holen. Daraus können wir nur lernen und besser werden.

Nur Ignoranten verzichten auf dieses Entwicklungspotential. Und bleiben damit in der Regel hinter ihren Leistungen zurück.

Aber wie im Sport gilt auch im Management:

Du lernst nur durch deine Handlungen!

Du musst dich auf die Strecke wagen und dich ausprobieren. Nur so kannst du feststellen, was für dich funktioniert und wo deine Talente, aber auch deine Schwächen sind.

Daher:

Leg einfach los!

Was bist du? Eher 100-Meter-Sprint oder doch Marathon, oder vielleicht sogar Ultraläufer?

Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Philipp Tessin

Ich bin seit über 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig und passionierter Läufer. Da viele Parallelen zwischen Ausdauersport und Führung existieren, verbinde ich diese beiden Themen und gebe mein Wissen als Führungskraft und als Läufer in diesem Blog weiter.

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