Alexander Hecht: Der Minuten-Karriere-Ratgeber

Das Buch

Das Buch gliedert sich in sieben Kapitel:

  1. Kommunikation im Berufsalltag – Schweigen ist Silber, Reden ist Gold
  2. Fehler vermeiden – Nehmen Sie Ihre 5 Sinne zusammen
  3. Magische Worte – Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!
  4. Durchsetzungsvermögen – Noch Ein [sic!] Impuls Notwendig [sic!]!
  5. Frauen und Männer verstehen – Jeder Mensch hat immer Recht!
  6. Schlagfertigkeit – Führen Sie Gespräche auf Augenhöhe
  7. Richtig verhandeln – Fair zum Menschen, hart(näckig) zur Sache

Das Buch selber ist recht kurz gehalten mit 38 Seiten. Vermutlich spiegelt sich hier der Titel wieder, der den Anspruch ausdrücken soll, für den Leser in wenigen Minuten guten Rat geben zu können.

Das grundsätzliche Ziel des Buches ist es, dass der Leser eine erfolgreiche und konfliktfreie Kommunikation, speziell mit seinem Vorgesetzten gestalten kann.

Das erste Kapitel behandelt daher die eigene Kommunikation und dass diese der eigenen Darstellung (natürlich der eigenen Vorzüge) diesen sollte.

Das zweite Kapitel behandelt Fehler in der Kommunikation. Hier wird sich allerdings darauf konzentriert, welche Fehler in der Gestaltung eines Gesprächsrahmens begangen werden können.

Hier wird es etwas albern, wenn empfohlen wird, „hochwertige Kekse“ oder „eine Auswahl an Kaffee und Cappuccino“ bereit zu halten, falls der Vorgesetzte zu einem ins Büro kommt. Darüber würde man den eigenen Wert signalisieren und Wertschätzung gegenüber dem anderen ausdrücken.

Die Nutzung weiterer Elemente (z.B. Nutzung des Halo-Effekts) werden kurz angerissen, aber nicht tiefer ausgeführt.

Im Kapitel „Magische Worte“ wird die Sprache behandelt und wie diese effektiv in einem Gespräch eingesetzt werden kann. Klassische Elemente wie positive Formulierungen zu verwenden oder mit Bildern zu arbeiten werden hier vorgestellt.

Das fünfte Kapitel setzt sich mit dem Thema „Durchsetzungsvermögen“ auseinander und wie der Leser sich in einem Gespräch selber als Macher darstellt und so in einem Gespräch „den Sack zumachen“ (Zitat) machen kann, wenn z.B. eine Gehaltsverhandlung ansteht.

Hier taucht in meinen Augen ein krasser Fehler in der Gesprächsführung auf. Es wird empfohlen, die eigene gewünschte Gehaltserhöhung mit einem angenommene Gewinn gegenzurechnen.

Da ich selber Vorgesetzter bin und natürlich, wie die meisten Vorgesetzten, selber auch einen Chef habe, kann ich von dieser Taktik nur dringend abraten!

Meine erste Reaktion wäre:

„Wenn Sie in der Lage sind, diese Leistung zu erbringen, warum haben Sie das bisher nicht getan? Geld bekommen Sie erst, wenn Ergebnisse vorliegen und nicht als Vorschuss!“

Solltest Du jemals um Geld oder Positionen verhandeln, verweise auf bereits Geleistetes! Vorschuss gewährt Dir niemand.

Das siebte Kapital befasst sich mit dem unterschiedlichen Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen. Zum einen bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich so existiert. Ich möchte hier kurz auf meine Rezension zu Judith Butler verweisen.

Weiter geht der Autor davon aus, dass der andere „immer Recht hat“. Hier sind Ansätze der „Gewaltfreien Kommunikation“ zu spüren, bleiben aber an der Oberfläche.

Leider wird hierbei komplett ignoriert, dass es auch Gesprächspartner gibt, die auf gar keinen Fall Recht haben und die lediglich auf Konfrontation aus sind. Hier sind natürlich auch keine zielführenden Gespräche möglich, aber dieser Aspekt wird eben auch gänzlich ausgeblendet und es wird suggeriert, dass dieser Fall nicht existieren würde.

Im sechsten Kapitel wird das das Thema „Schlagfertigkeit“ behandelt und wie ich mich am besten auf Gespräche vorbereite, um eben diese für mich zu entwickeln.

Hier sind ganz gute Ansätze spürbar, jedoch den Umgang mit Provokationen (z.B. ein anzüglicher Witz), wie er im Buch beschrieben wird, halte ich für nicht zielführend:

Schauen Sie dem Chef bei unangebrachten Kommentaren… ganz tief und freundlich in die Augen. Halten Sie diesen Blick ganz intensiv für etwa ein bis drei Sekunden. Dies signalisiert dem Chef, dass Sie hellwach sind… Jetzt beweisen Sie Stärke, indem Sie ganz einfach, sachlich und ohne jegliche Wertung die Aussagen… wortwörtlich wiederholen… Lassen Sie diese… Wiederholung wieder für ein bis drei Sekunden im Raum stehen. Schauen Sie dem Chef erneut ganz selbstsicher und selbstbewusst in die Augen und stellen Sie dann ganz simpel die offenen W-Fragen…“

Und so weiter und so fort.

Ziel ist es, den Ball dem Chef zuzuspielen und dass es ihm peinlich ist und er sich erklären muss, und nicht sein Gegenüber.

Ganz so einfach funktioniert Kommunikation dann doch nicht.

Das siebte und letzte Kapitel beschreibt dann, wie eine Verhandlung erfolgreich zum Abschluss gebracht werden kann. Hier taucht u.a. auch das eingangs erwähnte Beispiel mit der Gehaltsverhandlung auf.

Die Sprache

Das Buch ist selber gut verständlich geschrieben.

Der Autor arbeitet jedoch überwiegend mit Bildern und Metaphern. Was im Einzelnen gut wirken könnte, wirkt hier überfrachtet und erzwungen.

Ein schöner Vergleich an der richtigen Stelle trägt immens zum Textverständnis bei. Wenn ich jedoch jedes Thema mit einem Vergleich abhandle, wird es irgendwann peinlich bis nervig.

Fazit

Der Text (es sind ja nicht mal 40 Seiten!) wirkt wie ein Griff in die Kiste altbekannter Kommunikationsstrategien. Es finden sich Ansätze aus allerlei Primärliteratur, gewürzt mit einer kräftigen Prise NLP.

Jedes Thema bleibt jedoch an der Oberfläche. Neben Ratschlägen, die ich schlichtweg für falsch halte, geht es an anderen Stellen nicht tief genug. Wer die gängigen Theorien bisher nicht kennt, wird u.U. auf eine völlig falsche Fährte geführt, Menschen mit Erfahrung in Kommunikation werden hier nichts neues finden.

Insgesamt keine Kaufempfehlung.

Wer das sich das Buch dennoch zulegen möchte, kann das hier tun:

Ich habe das Buch kostenlos für eine Rezension zur Verfügung gestellt bekommen. Das hat jedoch meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

Philipp Tessin

Ich bin seit über 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig und passionierter Läufer. Da viele Parallelen zwischen Ausdauersport und Führung existieren, verbinde ich diese beiden Themen und gebe mein Wissen als Führungskraft und als Läufer in diesem Blog weiter.

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