Hannelore Bublitz: Judith Butler zur Einführung (Rezension)

Ich werde in loser Reihenfolge in meinem Blog Bücher vorstellen, die ich gelesen habe.

Diese Bücher können mit Pflege und Führung zu tun haben. Oder auch nicht.

Die Rezensionen werden unabhängig von meinen anderen Artikeln erscheinen, d.h. unregelmäßig und nicht zu festen Tagen.

Starten möchte ich heute mit Judith Butler zur Einführung von Hannelore Bublitz.

Judith Butler (2013) (Quelle: Wikipedia)

Judith Butler (2013) (Quelle: Wikipedia)

Judith Butler gehört der poststrukturalistischen Theorie an. Ihr Hauptbetätigungsfeld liegt im Bereich der neuen feministischen Theorie. Besonders legt sie ihren Blick auf die Zusammenhänge zwischen Körper, Subjekt und Macht und wie Sprache diese Verhältnisse bestimmen kann.

Durch meine Beschäftigung mit aktueller Kritik an Geschlechterrollen bin ich auf Butler gestoßen (Naja, eigentlich kommt man an Butler nicht vorbei, wenn man sich mit neuer Kritik an Herrschaftsbegriffen beschäftigt).

Besonders interessant finde ich den Zusammenhang zwischen Sprache und Macht. Dieser Ansatz ist alles andere als neu, aber Butler denkt diesen Zusammenhang besonders radikal durch. So ist ihre These, dass Geschlecht und damit eben auch Macht sich erst aus der Zuschreibung von Geschlecht und deren vorangenommenen Attribute ergibt.

Wer hier schon denkt: „Häh?!“ ist damit nicht alleine.

Butlers Ansatz ist radikal, aber dadurch eben auch spannend.

Ihre Gedankengänge erfolgen auf einem extrem hohen Abstraktionsniveau und erfordern vom Leser ein relativ großes Maß an Vorwissen.

Nachdem ich bisher nur Sekundärliteratur zu Butler gelesen habe und davon auch nur Artikel u.ä., war ich auf der Suche nach einer Einführung/ Zusammenfassung zu Butler.

Bublitz hat dies mit diesem Buch vorgelegt. Aber auch hier wird schon relativ viel Vorwissen vom Leser verlangt. Die Begrifflichkeiten aus Philosophie und Soziologie sollten bekannt sein.

Mein Interesse an aktueller Kritik an Macht und dem Geschlechterbegriff rührt daher, dass die Vorstellungen dazu in der Pflege allesamt aus dem letzten Jahrhundert stammen. Es existiert m.W.n. keine neue Auseinandersetzung mit dem Machtbegriff und den Geschlechterrollen in der Pflege. Das aktuellste, was mir bekannt ist, ist das Konzept des „Empowerment„. Und dieses Konzept stammt aus dem 1980er Jahren.

Es wird Zeit, die bisherigen Konzepte zu überdenken.

Fazit:

Ein gutes Buch um den Einstieg in Butlers Philosophie zu wagen. Aber auf Grund des hohen Anspruches keine Literatur für zwischendurch.

Der Nutzen für die praktische Arbeit ist gering bzw. nicht vorhanden. Aber das ist auch nicht das Ziel des Buches. Es dient ausschließlich für anschließende, weiterführende theoretische Konzepte.

Infos zu Judith Butler:

Wikipedia

Einführung zu Judith Butler (englisch)

Seite von J. Butler an der University of California, Berkeley

Infos zu Hannelore Bublitz:

Wikipedia

Prof. Dr. Hannelore Bublitz‘ Seite an der Universität Paderborn

Titelbild: Robert Agthe – Outdoorbücher (Lizenz: CC BY 2.0)

Philipp Tessin

Ich bin seit über 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig und passionierter Läufer. Da viele Parallelen zwischen Ausdauersport und Führung existieren, verbinde ich diese beiden Themen und gebe mein Wissen als Führungskraft und als Läufer in diesem Blog weiter.

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