Warum Du jetzt das Mitarbeiterjahresgespräch führen solltest!

Jetzt stehen Sie wieder an:

Die Mitarbeiterjahresgespräche!

Egal ob Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung oder als Vorgesetzter:

Für viele ist das Mitarbeiterjahresgespräch nur ein lästiger Pflichttermin!

Häufig empfinden beide Seiten das Gespräch als unangenehm:

  • Der Chef weiß nicht, ob und was er loben soll.
  • Der Mitarbeiter hat Sorge, dass er in die Kritik genommen wird.
  • Der Chef hat Angst, Kritik zu üben, da er einen Konflikt vermeiden will.
  • Der Mitarbeiter empfindet das Gespräch als störend, da er in der Zeit nicht seiner eigentlichen Arbeit nachgehen kann.
  • Der Chef hat eigentlich keine Zeit, dieses Gespräch zu führen, da er wichtigere Termin hat.

Und es finden sich bestimmt noch mehr Gründe, das Mitarbeiterjahresgespräch nicht zu führen.

Aber vielleicht hast Du beim Lesen der Gegenargumente auch festgestellt, dass sich die Gründe auf beiden Seiten durchaus ähneln.

Aber nicht nur das: es sind auch klare Falschannahmen in diesen angeblichen Gründen zu finden.

Fangen wir damit an, was falsch ist.

Falsche Annahmen

1. Mitarbeitergespräche stören

Kurtis Garbutt - Do Not Disturb (Lizenz: CC BY 2.0)

Kurtis Garbutt – Do Not Disturb (Lizenz: CC BY 2.0)

In der täglichen Arbeit hetzen wir oft von Termin zu Termin, während dessen der Schreibtisch überquillt und das Telefon ständig klingelt.

Da wirkt so ein Gespräch, was ja auf den ersten Blick nicht produktiv ist, erstmal störend.

Aber nicht das Gespräch stört, sondern eher die ungeplanten Ereignisse drumherum.

Deswegen musst Du diese Störfaktoren auch ausschalten!

Das gelingt am besten, wenn Du solch ein Gespräch vernünftig planst. Das heißt:

  • Es wird ein Termin im Kalender geblockt, plus Zeit für Vor- sowie Nachbereitung.
  • Markiere diesen Termin rot! Als Signal für Dich, aber auch für alle anderen, die Zugriff auf Deinen Kalender haben (z.B. das Sekretariat): Dieser Termin ist wichtig! Er wird nicht verschoben und er wird nicht durch Störungen unterbrochen!
  • Lade schriftlich zu diesem Termin ein. Das unterstreicht die Wichtigkeit für diesen Termin, sowohl für Dich als auch für Deinen Gesprächspartner.
  • Vor dem Gespräch gibst Du dein Telefon ab, leitest eingehende Telefonate um oder was auch immer in Deinem Büro üblich ist. Ist das nicht möglich, suchst Du ein Besprechungszimmer, in dem es kein Telefon gibt (das findet sich meist in jedem Unternehmen). Für das Smartphone gilt natürlich das selbe.

Mit dieser Vorbereitung sollte das Gespräch nicht mehr gestört werden.

2. Mitarbeitergespräche sind nicht wichtig

Zum ersten bist Du Führungskraft. Damit legst Du fest, was für Dich wichtig ist.

Und Mitarbeitergespräche sind wichtig!

Ich versuche mir immer die Zeit zu nehmen und durchs Haus zu gehen. Auf diesem weg komme ich dann in viele Gespräche: von der Pflegekraft über den Chefarzt bis zum Handwerker. Und durch diese Gespräche erfahre ich auch viele wichtige Dinge. Nur leider kommen diese Gespräche viel zu kurz, weil das Tagesgeschäft mich davon abhält.

Deswegen ist es notwendig, wichtige Gespräche wie das Mitarbeiterjahresgespräch fest zu planen. Denn nur dann finden sie auch statt.

Aber ein weiterer Grund ist, dass diese „Tür und Angelgespräche“ natürlich nicht geplant oder strukturiert stattfinden. Das schaffe ich nur in ruhiger Athmosphäre mit einer entsprechenden Vorbereitung. Und in diesen Jahresgesprächen kommen auch gänzlich andere Themen auf den Tisch.

Deswegen: Mitarbeitergespräche, und ganz besonders das Mitarbeiterjahresgespräch, sind nicht nur wichtig, sondern sogar unverzichtbar!

Wie Du solch ein Gespräch durchführst, erfährst Du in dem Artikel „Dein Leitfaden zum Mitarbeiterjahresgespräch“.

Aber wie schon angedeutet, nehmen falsche Annahmen existieren auch andere Hemmnisse, die dazu führen, dass die Mitarbeiterjahresgespräche gerne ignoriert werden.

Angst vor Konflikten

Mitarbeiterjahresgespräch

Rodrigo Suriani – Angry (Lizenz: CC BY 2.0)

Diese Angst haben beide Seiten: sowohl der Vorgesetzte als auch der Mitarbeiter.

Niemand streitet sich gerne mit anderen.

Niemand wird gerne von anderen kritisiert.

Akzeptiere diese Dinge! Aber akzeptiere auch, dass Deine Aufgabe als Führungskraft ist, wenn notwendig andere zu kritisieren.

Kritik sollte niemals stattfinden, um den anderen abzustrafen.

Kritik ist immer ein Instrument, dem anderen die Chance zu geben, sich zu verbesser.

Daher wird Kritik auch immer wertschätzend, niemals verletzend oder herabwürdigend geäußert.

Wie Du erfolgreich Kritik übst, hat Bernd Geropp sehr gut in seinem Podcast „Richtig kritisieren ohne zu demotivieren!“ erläutert.

Deshalb solltest Du jetzt das Mitarbeiterjahresgespräch führen!

1. Lass das alte Jahr erfolgreich enden!

Das Mitarbeiterjahresgespräch hat u.a. zwei Perspektiven: die auf das zurückliegende und die auf das noch kommende Jahr.

Beginne mit dem letzten Jahr und lass die Erfolge nocheinmal Revue passieren:

Was ist besonders gut gelaufen? Hat der Mitarbeiter eine besonders gute Leistung erbracht? Oder habt Ihr ein einem Projekt gut zusammen gearbeitet? Gab es eine kritische Situation, die der Mitarbeiter erfolgreich abwenden konnte?

Aber natürlich darf auch, wenn notwendig, eine konstruktive Kritik an dieser Stelle nicht fehlen:

Was ist van Fehlern passiert? Ist der Mitarbeiter hinter Deinen Erwartung und seinen Möglichkeiten (das ist nicht immer deckungsgleich!) geblieben? Oder gav es sogar Fehlverhalten? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dies anzusprechen.

2. Lass das neue Jahr erfolgsversprechend beginnen!

Ausgehend vom ersten Schritt kannst Du nun zum kommenden Jahr übergehen:

Könnt Ihr an die erfolgreichen Dinge aus dem letzten Jahr anknüpfen und diese fortsetzen oder für neue Projekte nützen?

Falls Kritik notwendig ist: Was kann Dein Mitarbeiter aus Deinem Feedback für das neue Jahr für sich mitnehmen und wo kann er besser werden?

3. Lass Deinen Mitarbeiter zu Wort kommen!

Mitarbeiterjahresgespräch

Mateus Lunardi Dutra – Shut up, just shut up, shut up (Lizenz: CC BY 2.0)

Das Mitarbeiterjahresgespräch ist für Euch beide die Gelegenheit, Erfahrungen aus dem letzten Jahr und Erwartungen für das neue Jahr dem anderen mitzuteilen.

Als Vorgesetzter der es gewohnt ist, Entscheidungen zu treffen und ZU anderen zu sprechen, fällt es manchmal schwer, dem anderen zuzuhören MIT ihm zu sprechen.

Das solltest Du jetzt aber tun!

Falls Dein Mitarbeiter Dir etwas mitteilen möchte, hat er jetzt die Gelegenheit dazu. Wenn Du eine vertrauensvolle Basis mit Deinem Mitarbeiter hast, wird er Dir wichtige Dinge mitteilen können:

  • Feedback zu Deinem Führungsverhalten
  • Eine ehrliche Meinung, zu den abgeschlossenen Projekten
  • Beurteilung von Problemen aus Mitarbeitersicht!

Und noch vieles mehr!

Unterschätze dieses Wissen nicht!

Denn die Einschätzung der Mitarbeiter, die direkt an den Prozessen arbeiten, kann Dir Informationen bieten, die Du ansonsten in deiner „Chefblase“ nicht erhältst.

4. Du bekommst ein kostenloses Coaching

Ich gehe davon aus, dass die meisten Führungskräften sich mit dem Thema „Führung“ auseinandersetzen.

Du zumindest tust es, denn Du liest gerade diesen Artikel 😉

Aber woher weißt Du, ob Dein Führungsstil auch funktioniert?

Meistens kannst Du dies nur indirekt überprüfen: Du erzielst die Ergebnisse, die Du auch beabsichtigst (oder eben nicht).

Im Gesundheitswesen, speziell der Pflege, weiß man aber, dass auch hoch unzufriedene Mitarbeiter sehr zufriedene Patienten erzeugen können.

Unser Anspruch geht weiter: wir möchten nicht nur zufriedene Patienten, sondern auch glückliche Mitarbeiter.

Und wenn Du gut zuhörst im Mitarbeiterjahresgespräch, wirst Du dies auch erfahren.

Tipp:

Falls Dir Kritik entgegengebracht wird, mache nicht den Fehler dich zu verteidigen, Entschuldigungen oder Erklärungen zu suchen oder womöglich deine Fehler sogar abzustreiten.

Falls Dir Kritik entgegengebracht wird, mache erstmal gar nichts, außer zuzuhören.

Ich weiß, das fällt schwer. Mir auch. Aber Kritik ist immer ein Geschenk.

Dein Mitarbeiter schenkt Dir sein Vertrauen und die Gelegenheit, an Dir zu arbeiten und besser zu werden.

Nimm die Kritik erstmal kommentarlos an. Signalisiere Deinem Mitarbeiter: „Ja, ich habe Dich gehört und nehme das ernst. Vielen Dank für Dein Vertrauen.“

Und dann gehe in einer ruhigen Minute in Dich und überprüfe die Kritik mit etwas Abstand.

Und je nachdem zu welchem Schluss Du kommst, kannst Du dann an Dir und Deinem Führungsstil arbeiten.

Und noch ein Tipp:

Dokumentiere diese Gespräche!

In dem Artikel „Reden ist Silber, protokollieren ist Gold!“ erfährst Du, wie Du das am besten machst.

Hast Du die Mitarbeiterjahresgespräche schon geplant oder vielleicht sogar dieses Jahr schon geführt?

Wie gehst Du dabei vor?

Habe ich etwas vergessen?

Lass mir Deine Tipps und Erfahrungen in den Kommentaren.

Philipp Tessin

Ich bin seit über 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig und passionierter Läufer. Da viele Parallelen zwischen Ausdauersport und Führung existieren, verbinde ich diese beiden Themen und gebe mein Wissen als Führungskraft und als Läufer in diesem Blog weiter.

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2 Replies to “Warum Du jetzt das Mitarbeiterjahresgespräch führen solltest!”

  1. Bringt es auf den Punkt. Setzen wir seit Jahren schon so um. Leider ist es gerade in diesem Jahr schwierig die Mitarbeitergespräche umzusetzen. Durch die Umstellung auf das PST 2 wird viel Zeit gebunden.

    1. Dennoch sollte man die Gespräche führen, denn eigentlich gibt es jedes Jahr irgendetwas extrem wichtiges oder einen Zeitfresser.
      Was bindet denn bei aktuell konkret die meiste Zeit bei der Umstellung? Würde mich aus pflegefachlicher Sicht als Vergleich zur eigenen Arbeit interessieren 😉

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