Warum es bei mir keinen Sprechbären gibt!

Du kennst bestimmt auch diese Spielchen, die bei Arbeitsgruppen, Workshops usw. zum Einsatz kommen, um die Teilnehmer locker zu machen und die Menschen miteinander ins Gespräch kommen zu lassen.

Von diesen Spielen existieren viele Varianten:

  • Die Teilnehmer werfen sich einen Ball zu. Der Fänger muss etwas über sich erzählen.
  • Die Teilnehmer erhalten den Auftrag, jemanden zu suchen, der eine Gemeinsamkeit hat (z.B. gleiches Hobby, gleicher Geburtsmonat usw.)

Den Vogel hat vor ein paar Jahren ein Pädagoge abgeschossen, der den „Sprechbären“ herumgereicht hat:

Es wurde ein abgeranzter Stoffbär herumgereicht und derjenige, der den Sprechbären hatte, war an der Reihe, etwas über sich zu erzählen. Dieser Bär war so abgegriffen und eklig, dass ich ihn lediglich mit spitzen Fingern angefasst und schnell weitergereicht habe.

Ich mag diese Spielchen überhaupt nicht (um das böse Wort „hassen“ zu vermeiden)!

Ich persönlich komme auch so gut mit anderen Teilnehmern ins Gespräch und lehne diese gezwungene Interaktion ab. Viele Trainer und Coaches werden jetzt vermutlich unendlich viele Gegenargumente ins Feld führen können. Ich finde es trotzdem blöd!

Ich brauche keinen Sprechbären, Bälle, Wollknäule, Kärtchen mit Aufgaben oder anderen Firlefanz.

Nicht desto trotz finde ich es wichtig, dass die Teilnehmer von Besprechungen, Meetings, Joure-fix oder wie immer die regelmäßigen Treffen bei dir heißen, ins Gespräch kommen.

Wie laufen die Treffen bei Dir ab?

Wir haben ein monatliches Treffen, bei dem alle Stationsleitungen zusammenkommen. Hier wird über Neuigkeiten informiert, Änderungen, wichtige Hinweise usw.

Geleitet wird das Treffen von mir, als PDL.

Üblicherweise habe ich dann meine Themenliste dabei. Die wird abgearbeitet: ich erzähle dazu etwas und jeder hat die Gelegenheit, sich dazu zu äußern.

Nachdem ich diese Treffen nun etwas länger als ein Jahr in dieser Form abgehalten habe, war es an der Zeit, etwas zu ändern.

Zu Beginn der Sitzung habe ich die Stationsleitungen darüber informiert, dass sich der Ablauf nun ändern wird:

Jede Leitung wird nun kurz aus ihrem Bereich berichten, was es für Neuigkeiten gibt, z.B. neue Mitarbeiter, Änderungen in der Organisation, neue Ärzte oder was auch immer.

Ich nenne das „Blitzlichtrunde“ (hier sind bestimmt die Trainer wieder mit dabei, da das ja ein bekanntes Format ist).

Meine Leitungen waren erstmal überrascht und etwas unsicher, da sie damit nicht gerechnet haben. Ich mag es, an bestimmten Stellen zu irritieren.

In Zukunft wissen sie ja nun, was auf sie zukommt und werden sich inhaltlich darauf vorbereiten.

Ich hatte dies beim ersten Mal bewusst thematisch offen gelassen, da ich die Inhalte nicht einschränken wollte. Gefahr ist allerdings dabei, dass daraus eine Mecker- oder auch Laberrunde wird. Da werde ich in Zukunft noch etwas steuern müssen.

Themen könnten/ sollten sein:

  • Personelle Veränderungen (neue Mitarbeiter; Mitarbeiter, die das Haus verlassen haben; neue Mitarbeiter aus nicht-pflegerischen Bereichen; …)
  • neue Organisationsstrukturen
  • neue Dokumente

Diese Runde muss natürlich durch den Sitzungsleiter moderiert werden, damit der zeitliche und auch inhaltliche Rahmen nicht gesprengt wird.

Ich glaube, dass dies ein gutes Konzept ist, um die unterschiedlichen Bereiche miteinander ins Gespräch zu bringen. Dadurch entsteht Verständnis für Vorgehensweisen in anderen Bereichen und auch ein Verständnis für das Gesamthaus. Im Idealfall wird damit dann auch die Zusammenarbeit untereinander verbessert und intensiviert. Denn bisher wusste die Kinderstation kaum etwas über die Geriatrie. Ich hoffe, dass sich das damit in Zukunft etwas verbessert.

Wie sind Eure Besprechungen?

Redet Ihr miteinander oder berichtet jeder nur?

Was hältst Du von diesem Konzept? Ist das vorstellbar für Deinen Arbeitsalltag?

Schreib es mir in die Kommentare!

Beitragsbild: Dimitris Kalogeropoylos – Conference (Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Philipp Tessin

Ich bin seit über 20 Jahren im Gesundheitswesen tätig und passionierter Läufer. Da viele Parallelen zwischen Ausdauersport und Führung existieren, verbinde ich diese beiden Themen und gebe mein Wissen als Führungskraft und als Läufer in diesem Blog weiter.

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